Die Copa Libertadores 2017 wird anders sein als ihre vorherigen Ausgaben. Ob besser oder schlechter, das bleibt offen. Viele prominente Namen fehlen im Teilnehmerfeld.
47 Teilnehmer hat die Copa Libertadores dieses Jahr. Zumindest vor den drei Qualifikationsrunden. Zur Gruppenphase werden es dann – wie in der europäischen Champions League – 32 Mannschaften sein. Viele ilustre Namen werden dieses Jahr fehlen – der Verzicht der mexikanischen Klubs ist auf jeden Fall ein herber Verlust für die Qualität und die Vielfalt des höchsten südamerikanischen Klubwettbewerbes. Zwölf Mannschaften, die sich schon einmal Copa-Libertadores-Sieger nennen konnten, fehlen auch: Independiente, Boca, Racing, Argentinos Juniors, Vélez, São Paulo, Corinthians, Inter, Cruzeiro, Vasco da Gama, Once Caldas, Liga de Quito. Des weiteren auch zehn Teams, die zumindest einmal im Finale standen: Newell’s Old Boys, Fluminense, São Caetano, Cobreloa, América y Deportivo Cali, Cruz Azul, Chivas de Guadalajara, Tigres de Monterrey. Die letzten drei aufgrund des angesprochenen Verzichts des mexikanischen Fußballverbandes. Dafür werden dann neue und noch relativ unbekannte Teams wie Deportivo Capiatá, Sport Boys de Warnes, Iquique, Carabobo, Atlético Tucumán im Laufe des Wettbewerbs zu sehen sein, was nicht unbedingt negativ für die Attraktivität des Wettbewerbs sein muss.
Einen haushohen Favoriten auf den Titel gibt es nicht
Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Wie immer sind die brasilianischen Klubs aufgrund ihrer Finanzkraft, ihrer schmucken WM-Stadien und ihrer individuellen Qualität heiße Kandidaten für den Titel. Sechs der acht Teilnehmer aus dem Heimatland Pelés sind direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Vor allem ist hier der aktuelle Meister aus São Paulo, Palmeiras, zu nennen. Der Verlust von Superstar Gabriel Jesús wiegt schwer. Trotzdem ist dem Team um Kapitän und Antreiber Dudu einiges zuzutrauen. Mehr aufgrund ihrer Historie denn ihrer aktuellen Stärke sind auch Flamengo und Atlético Mineiro zum erweiterten Favoritenkreis zu zählen.
Aus Kolumbien ist auch wieder Titelverteidiger Atlético Nacional als heißer Kandidat für die Krone des südamerikanischen Fußballs zu sehen. Die wichtigste Personalie bei “El Verdolaga” war wohl der Verbleib von Erfolgstrainer Reinaldo Rueda. Zudem blieb Torjäger und Südamerika-Spieler des Jahres, Borja, der den Abgang von Marlos Moreno Ende Juli mehr als kompensierte. Auch der aktuelle Meister aus Kolumbien, Independiente Santa Fe (Sieger der Sudamericana 2015), könnte bei der Titelvergabe ein wichtiges Wörtchen mitreden. Der Titelgewinn im Dezember 2025 war jedoch etwas verwässert, da Nacional im Halbfinale aufgrund der Klub-WM nur mit einer Jugend- und Amateurmannschaft antrat und somit Independiente leichtes Spiel hatte. Trainer und Gewinnertyp Gustavo Costas versteht es, das Team hinter sich zu bringen und zu einer Einheit zu formen. Man darf gespannt, ob diese Formel auch auf internationaler Ebene aufgeht.
Kriegt Gallardo bei River die Kurve?
Auch River Plate aus Argentinien ist zum erweiterten Favoritenkreis zu zählen. Nur dank des Gewinns der Copa Argentina, wo man in einem dramatischen Finale Rosario Central schlug, sind “Los Millionarios” überhaupt bei der Copa Libertadores dabei. Trainer Gallardo muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, den Abwärtstrend der letzten Monate aufzuhalten. In der Vorbereitung gelang schon einmal ein Achtungserfolg gegen die Boca Juniors. Auch das Sturmduo Driussi und Alario konnte gehalten werden. Auf dem Papier hat River auf jeden Fall das Potential zum Titelgewinn, die Frage ist nur, ob sie ihre Form wiederfinden können.
Ein großes Problem des südamerikanischen Fußballs war und ist noch immer, dass man die besten Spieler regelmäßig abgeben muss. Europa, Nordamerika (Mexiko & USA) und neuerdings auch Asien (Carlos Tévez) sind die beliebtesten Destinationen. Gabriel Jesús wäre der absolute Superstar der diesjährigen Libertadores gewesen, schnürt seine Stiefel aber nun für Manchester City in England. Borja, Driussi und Alario werden wohl immerhin noch bis zum Sommer bei ihren Klubs verweilen, dann dürfte aber ein Abschied unausweichlich sein und ihre Klubs werden (sofern sie dann noch dabei sind) die zweite Hälfte der Libertadores ohne ihre Stars absolvieren müssen.
Trotz alledem wird die Copa Libertadores auch dieses Jahr wieder Freud und Leid, Siege und Niederlagen, erwartete Spielabläufe und unglaubliche Überraschungen, Traumtore und Fehlschüsse parat haben. Die Unberechenbarkeit und die gewisse Jungfräulichkeit & Natürlichkeit, die der Fußball in Südamerika im Vergleich zum “Business”-Fußball in Europa noch bietet, machen den besonderen Reiz des bedeutendsten Klubwettbewerbs der CONMEBOL aus. Lasst die Spiele beginnen…



